Die 24. Jahrestagung des EbM-Netzwerks findet vom 22.-24. März 2023 in Potsdam statt. Das Motto des im hybriden Format geplanten Kongresses lautet „Gesundheit und Klima – EbM für die Zukunft“.

Liebe Kolleg:innen, liebe EbM-Netzwerk-Mitglieder, liebe EbM-Interessierte,

dass die Klimakrise nicht nur ein, sondern DAS Thema ist, welches die Menschheit unmittelbar betrifft und existentiell bedroht, ist mittlerweile in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik angekommen. Schon jetzt, hier und heute, spüren wir nicht nur im teils bereits existentiell betroffenen globalen Süden, sondern auch im globalen Norden die Auswirkungen des Klimawandels und die Überschreitung der planetaren Belastungsgrenzen auf unsere Gesundheit. Die WHO schätzt, dass mehr als 13 Millionen Todesfälle jährlich durch Umweltschäden verursacht sind, die vermeidbar wären. Hitze und Feinstaub, Extremwetterereignisse und Pandemien treffen dabei in ihrer Häufigkeit und ihren Auswirkungen überproportional die armen Bevölkerungsgruppen – weltweit. Die Klimakrise ist daher eng mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit verbunden. Darauf weisen die Vereinten Nationen in der AGENDA 2030 mit den globalen Nachhaltigkeitszielen, den 17 Sustainable Development Goals, seit Jahren hin und zeigen Strategien auf, die wirksam die Ursachen bekämpfen und die Folgen vermindern können.

Die Erreichung dieser Ziele, so die UN, kann nicht nur dadurch erreicht werden, dass wir diese Ziele vernetzt denken und angehen, sondern erfordert eine umfassende Transformation unserer Denk- und Lebensweise. Das Konzept der «Planetary Health» ist ein Versuch, die Zusammenhänge zwischen der menschlichen Gesundheit und den natürlichen, politischen, ökonomischen und sozialen Systemen vernetzter zu denken und zu verstehen.
Auf der Jahrestagung 2023, auf der wir auch das 25jährige Jubiläum des EbM Netzwerks begehen, wollen wir die notwendigen Schritte diskutieren. Ist eine «EbM as usual» im Angesicht der planetaren Krisen noch angemessen? Was ist aus Sicht des Ebm Netzwerks im Hinblick auf die komplexen Zusammenhänge «planetarer Gesundheit» die bestverfügbare Evidenz? Welche konkreten Konzepte gibt es für klimafreundliche Praxen, Krankenhäuser, klimafreundliche Städte und ein nachhaltiges Gesundheitswesen, und wie messen wir die Effekte? Wie kann die EbM der Zukunft aussehen? In Potsdam, einem Zentrum der Klimaforschung, im hybriden Kongressformat, möchten wir uns diesem Fragenkomplex zusammen mit Klimaforscher*innen, Repräsentant*innen aus WHO und Politik und Aktivist*innen stellen. Ein erster Schritt ist die Gründung der AG Klimawandel und Gesundheit des EbM Netzwerks, welche die Jahrestagung aktiv mit vorbereitet.

Ziel des Kongresses ist zum einen eine inhaltliche Bestandsaufnahme, zu der wir Sie herzlich einladen, Beiträge einzureichen:

  • Zusammenhänge von Klimawandel, sozialer Gerechtigkeit und Auswirkungen auf die Gesundheit
  • Einfluss des Gesundheitswesens auf den Klimawandel und innovative Konzepte für klimafreundliche (Gesundheits)-Strukturen
  • Integration der Folgen des Klimawandels und der Nachhaltigkeitsziele in Policies und Leitlinien
  • Interventionen zur Verminderung der Folgen der Klimaanpassungen und zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele
  • Formen der (Wissenschafts)-Kommunikation, Lehre und Implementierung für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung

Darüber hinaus möchten wir auch einen Raum eröffnen, «anders» zu denken und hierbei auch selbst-reflexiv bisherige wissenschaftliche Methoden, Praktiken und Implementierungsstrategien zu hinterfragen:

  • Was bedeutet das Konzept der Planetary Health für die Arbeit des EbM-Netzwerks?
  • Welche Methoden/Wege können wir für das Verständnis der komplexen Zusammenhänge von Klimakrise, sozialer Gerechtigkeit und Gesundheit nutzen? Wie können wir die Dringlichkeit des Themas bewusst machen? Wo braucht es neue Ansätze?
  • Was brauchen wir als EbM Netzwerk zusätzlich an Expertise, um angemessene Evidenz für das 21. Jahrhundert zu liefern? Wie kann die EbM zu einem resilienten Gesundheitssystem beitragen?
  • In welchen Settings kann EbM zur Veränderung von Prozessen in Richtung größerer Nachhaltigkeit beitragen?

Neben Abstracts zur «Bestandsaufnahme» laden wir die Mitglieder des Netzwerks, Wissenschaftler*innen aus der Public-Health-, Gesellschafts-, Wirtschafts- und Klimaforschung und Aktivist*innen ein, Beiträge zu innovativen Analysen und Ideen, kreativen Kommunikations- und Implementierungsformen einzureichen, die in klassischen Vorträgen, aber auch in einem «Raum der Möglichkeiten» während des Kongresses ausgestellt und in interaktiven Formaten dargeboten werden können.

Mit Keynote Speakern aus Klimaforschung, der WHO und der Politik diskutieren wir gemeinsam über Ziele und Grenzen unserer bisherigen Inhalte, Methoden und unseres Selbstverständnisses sowie über Möglichkeiten und Chancen, die Herausforderung gemeinsam anzugehen.
Wie jedes Jahr sind auch Beiträge zu weiteren Themen der EbM höchst willkommen. Entscheidend ist, dass die Einreichungen, unabhängig vom Thema, einen Mehrwert für die Weiterentwicklung der EbM und ihrer Methoden erkennen lassen.

Jede Krise, so hieß es auch im «Lancet», als die Vereinten Nationen ihre nachhaltigen Gesundheitsziele veröffentlichten, sei auch eine Chance. Die Bewältigung der Klimakrise könnte die größte Chance für die globale Gesundheit im 21. Jahrhundert sein.

Seien Sie – digital oder in Präsenz – bei unserer Jahrestagung dabei, welche wir auch in der Ausrichtung möglichst klimafreundlich gestalten werden. Wir freuen uns auf Ihr Mitdenken und Mithandeln.

Prof. Dr. med. Dipl. Soz. Tanja Krones
Vorsitzende des EbM-Netzwerks und Kongresspräsidentin